Griechenland – Die griechische Wirtschaft hat im Jahr 2025 einen beispiellosen Meilenstein in der Unternehmensfinanzierung erreicht und das höchste jemals gemessene Transaktionsvolumen verzeichnet. Laut der aktuellen Jahresstudie des globalen Beratungsunternehmens PwC zogen griechische Unternehmen im vergangenen Jahr Gesamtkapitalien in Höhe von 28 Milliarden Euro an. Dies entspricht einem massiven Anstieg von 7,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr 2024.
Der Löwenanteil dieses Kapitalzuflusses entfällt auf den Bereich der Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions), der mit 181 abgeschlossenen Transaktionen und einem Gesamtwert von 23,8 Milliarden Euro ein historisches Rekordniveau erreichte. Die fundamentalen Treiber dieser dynamischen Entwicklung basieren auf der nachgewiesenen Widerstandsfähigkeit der nationalen Wirtschaft, der durchgreifenden Erholung des heimischen Bankensektors sowie signifikanten Sprüngen in der Tourismusindustrie.
Parallel dazu hat die deutliche Stärkung der Unternehmensbewertungen an der Athener Börse das Vertrauen internationaler Akteure nachhaltig gefestigt. Das Land nähert sich damit zunehmend dem offiziellen Status eines entwickelten Marktes an, was institutionelle Barrieren abbaut und den Weg für großflächige Kapitalbewegungen ebnet. Die wirtschaftliche Öffnung und die gesteigerte Extrovertiertheit griechischer Unternehmer haben zudem ein ideales Umfeld für komplexe, grenzüberschreitende Finanzoperationen geschaffen.
Neben der reinen Quantität der Abschlüsse fiel das Jahr 2025 besonders durch die starke Präsenz von Private-Equity-Fonds und die Rückkehr strategischer Investoren auf. Letztere agieren im Gegensatz zu kurzfristig orientierten Investmentfonds mit einem langfristigen strategischen Horizont. Die Experten von PwC führen diese Rückkehr auf das stetig wachsende Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes zurück.
Es wird erwartet, dass diese Investorengruppe der Unternehmenslandschaft durch frische Entwicklungs- und Wachstumsinvestitionen weitere entscheidende Impulse verleihen wird. Die gestiegene Attraktivität Griechenlands zeigt sich dabei nicht nur in der Breite des Marktes, sondern vor allem in der beispiellosen Konzentration von sogenannten Megadeals, die die Finanzstatistiken der vergangenen fünf Jahre dominieren.
Historische Megadeals prägen das Transaktionsjahr
Während großvolumige Transaktionen jenseits der Milliardenmarke in Griechenland bis vor wenigen Jahren eine absolute Seltenheit darstellten, hat sich dieses Bild 2025 grundlegend gewandelt. Allein die fünf größten Unternehmensübernahmen des Jahres summierten sich auf einen gigantischen Gesamtwert von 14 Milliarden Euro. An der Spitze dieser Entwicklung steht die monumentale Fusion zwischen der griechischen Glücksspielgesellschaft OPAP und der Allwyn-Gruppe, die mit einem Volumen von 9 Milliarden Euro den Markt dominierte. Dieser Abschluss unterstreicht die gewaltige Hebelwirkung, die mittlerweile im griechischen Corporate-Finance-Sektor möglich ist.
Auf den weiteren Plätzen folgten ebenfalls strategisch hochrelevante Übernahmen. So sicherte sich der Technologiedienstleister Intralot für 2,7 Milliarden Euro die Anteile an Ballys. Im Bankensektor markierte die Übernahme der Hellenic Bank durch die Eurobank mit einem Investitionsvolumen von 880 Millionen Euro einen entscheidenden Schritt der regionalen Konsolidierung. Auch der Gesundheitssektor verzeichnete massive Bewegungen: Die Purehealth Holdings erwarb die Hellenic Healthcare Group, zu der unter anderem die renommierte Hygeia-Klinikgruppe gehört, für 800 Millionen Euro.
Den fünften Platz der größten Deals belegte der Energiesektor, in dem die Glenfarne Group ein umfangreiches Portfolio an Photovoltaikanlagen mit einer Kapazität von 588 Megawatt für 735,3 Millionen Euro übernahm. Diese milliardenschweren Kapitalbewegungen verdeutlichen die gewachsene Fähigkeit des griechischen Marktes, komplexe internationale Transaktionen auf höchstem Niveau abzuwickeln.
Sektorale Schwerpunkte und Konsolidierungstrends
Eine detaillierte sektorale Analyse der PwC-Daten zeigt, dass der Finanzsektor im Jahr 2025 die Führungsrolle bei den Übernahmeaktivitäten einnahm. Mit insgesamt 25 Transaktionen generierte dieser Bereich ein Volumen von 3 Milliarden Euro. Neben dem bereits erwähnten Kauf der Hellenic Bank durch die Eurobank – der in der breiten Marktauswertung mit rund 0,9 Milliarden Euro beziffert wird – stachen hier weitere strategische Manöver hervor. Die Piraeus Bank erwarb die Versicherungsgesellschaft Ethniki Asfalistiki für 0,6 Milliarden Euro, während die Alpha Bank Cyprus die Astro Bank für 0,2 Milliarden Euro übernahm. Direkt hinter dem Finanzwesen positionierte sich der Bereich Energie und erneuerbare Quellen, der 20 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 2,9 Milliarden Euro verzeichnete, was die anhaltende grüne Transformation der griechischen Wirtschaft widerspiegelt.
Außerordentlich hohe Aktivität herrschte auch im Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor (TMT). Hier wurden beeindruckende 43 Einzeltransaktionen registriert, die sich auf einen Gesamtwert von 1,3 Milliarden Euro summierten. Der vergleichsweise niedrige Durchschnittswert von 31 Millionen Euro pro Deal in diesem Segment belegt eine intensive Konsolidierungstendenz, bei der große Branchenakteure systematisch kleinere, spezialisierte Unternehmen absorbieren. Auch Private-Equity-Fonds zeigten in diesem innovationsgetriebenen Sektor eine äußerst starke Präsenz. Abgerundet wird das Bild der Top-Branchen durch den Lebensmittel- und Getränkesektor, der mit 19 Transaktionen und einem Volumen von 800 Millionen Euro seine traditionell starke Stellung in der griechischen Wirtschaft behaupten konnte.
Unternehmensanleihen florieren während Privatisierungen auslaufen
Abseits des direkten Übernahmemarktes bot das Jahr 2025 auch im Bereich der Fremdkapitalfinanzierung ein hochdynamisches Umfeld. Griechische Unternehmen nutzten die vorteilhaften makroökonomischen Rahmenbedingungen intensiv zur Ausgabe von Unternehmensanleihen. Das Emissionsvolumen erreichte in diesem Segment beachtliche 2,8 Milliarden Euro. Diese Finanzierungsinstrumente boten den Investoren Renditen in einer Spanne von 3 bis 5 Prozent und erwiesen sich für die emittierenden Firmen aufgrund der niedrigen Risikoaufschläge (Spreads) im Vergleich zum Euribor als äußerst attraktive Alternative zur klassischen Bankfinanzierung. Die rege Nutzung des Anleihemarktes beweist die zunehmende Reife und finanzielle Flexibilität der heimischen Konzernlandschaft.
Im Gegensatz zu den stark wachsenden privaten Kapitalmärkten verzeichneten die staatlichen Veräußerungen einen erwartbaren Rückgang. Die Einnahmen aus dem offiziellen Privatisierungsprogramm beliefen sich im Jahr 2025 auf 1,3 Milliarden Euro. Dieser rückläufige Trend wird von Analysten als vollkommen logische Konsequenz bewertet, da das umfangreiche griechische Privatisierungsprogramm, das während der Schuldenkrise initiiert worden war, mittlerweile zu einem sehr großen Teil erfolgreich abgeschlossen ist. Der Fokus der Kapitalbeschaffung hat sich somit endgültig vom staatlichen Sektor in die freie Privatwirtschaft verlagert.
Gezielte Expansion und milliardenschwere Pipeline für 2026
Für das laufende Jahr 2026 zeichnet sich bereits jetzt eine Fortsetzung der starken Investitionsdynamik ab. Auf dem Markt existiert eine gesicherte Pipeline an anstehenden Transaktionen mit einem kumulierten Volumen von rund 7 Milliarden Euro. Zu den prominentesten Projekten zählt die Übernahme von 80 Prozent der Anteile an der Versicherungsgesellschaft Eurolife durch den kanadischen Finanzkonzern Fairfax für 813 Millionen Euro. Im Bereich der erneuerbaren Energien plant die griechische Public Power Corporation (DEI) eine massive internationale Expansion: Bis 2027 soll für rund 2 Milliarden Euro ein Photovoltaik-Portfolio von 2.000 Megawatt in Italien, Bulgarien, Rumänien und Kroatien von dem Unternehmen Metlen erworben werden.
Auch in anderen Branchen stehen weitreichende strategische Schritte kurz vor dem Abschluss. Der Getränkeabfüller Coca Cola wird voraussichtlich 75 Prozent der Anteile an Coca Cola Africa für 2,2 Milliarden Euro übernehmen. Zudem steht der Verkauf der verbleibenden 80 Prozent an dem Kurierdienstleister ACS für 296 Millionen Euro auf der Agenda. Der Glücksspielkonzern OPAP plant den vollständigen Erwerb der restlichen 15,6 Prozent an der Wettplattform Stoiximan für 191 Millionen Euro. Im Industriesektor wird Titan America die Übernahme von Keystone Cement für 266 Millionen Euro finalisieren, während die Investmentgesellschaft Credia 70
Prozent der Anteile an der HSBC für 200 Millionen Euro übernehmen wird. Laut den Prognosen von PwC wird zudem erwartet, dass die griechischen Banken ihre hohe Liquidität auch 2026 für gezielte Zukäufe nutzen werden.
Während im Lebensmittelsektor das Interesse von Private-Equity-Investoren ungebrochen bleibt, dürfte sich der Fokus im Energiesektor zunehmend auf die Stromnetze verlagern. Zwar ist das Erreichen des Vorjahresvolumens ohne einen historischen Ausnahme-Deal in der Größenordnung der OPAP-Allwyn-Fusion unwahrscheinlich, doch die starke Konsolidierung im TMT- und Transportsektor wird das Marktumfeld auch weiterhin entscheidend prägen.