Griechenland – Die langanhaltenden wirtschaftlichen Erschütterungen hinterlassen tiefe Spuren in der griechischen Gesellschaft. Laut den neuesten Daten der Griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) für das Jahr 2025 stieg der Anteil der Bevölkerung, der unter schwerer materieller und sozialer Not leidet, auf 14,9 Prozent. Im Vorjahr lag dieser statistische Wert noch bei 14 Prozent, basierend auf dem Referenzeinkommen von 2024. Damit erreicht die Quote in der Hellenischen Republik exakt das Fünfjahreshoch, das zuletzt im Krisenjahr 2020 registriert wurde.
Im europäischen Vergleich bildet Griechenland zusammen mit Rumänien und Bulgarien die einzige Staatengruppe, in der dieser Anteil der Benachteiligten im deutlich zweistelligen Bereich liegt. Für das Land ist es bereits das zweite Jahr in Folge mit einem derartigen Negativtrend. Die Behörde führt dies primär auf die kumulativen Auswirkungen der massiven Energie- und Inflationskrise seit dem Jahr 2022 zurück. Diese Periode ist neben drastischen Preissteigerungen für Güter des täglichen Bedarfs und Dienstleistungen vor allem von rasant steigenden Mieten geprägt.
Wohnkosten und Kinderarmut belasten die Gesellschaft
Die finanzielle Überlastung zeigt sich besonders deutlich bei den monatlichen Fixkosten. Aktuell geben 42 Prozent der gesamten griechischen Bevölkerung an, erhebliche Schwierigkeiten bei der pünktlichen Zahlung ihrer Miete oder der Begleichung von Kreditraten zu haben. Bemerkenswert ist dabei, dass selbst in der statistisch nicht als arm geltenden Bevölkerungsgruppe jeder Dritte mit diesen existenziellen Kosten kämpft. Besonders alarmierend ist zudem die Lage der jüngsten Generation: Bei Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren verzeichnet ELSTAT einen signifikanten Anstieg der materiellen Entbehrungen von 13,9 Prozent im Vorjahr auf nun 15,9 Prozent.
Parallel dazu stieg die allgemeine Armutsgefährdungsquote im zweiten Jahr in Folge an und erreichte 27,5 Prozent, nach 26,9 Prozent in der vorherigen Messung. Damit verzeichnet Griechenland nach Bulgarien, das bei 30 Prozent liegt, die zweithöchste Gefährdungsquote in der gesamten Europäischen Union. Nach der Einrechnung von sozialen Transferleistungen wie Renten und staatlichen Zuschüssen verblieb die Armutsquote 2025 bei 19,6 Prozent und damit exakt auf dem Niveau von 2024, nachdem sie im Jahr 2023 noch bei 18,9 Prozent gelegen hatte.
Die jüngsten Anhebungen des gesetzlichen Mindestlohns konnten die Einkommensschere zwischen den ärmsten und reichsten Haushalten jedoch leicht schließen. Der offizielle Index für wirtschaftliche Ungleichheit sank 2025 von 5,27 auf 5,18. Dies bedeutet konkret, dass das Einkommen der reichsten 20 Prozent der Bevölkerung 5,18-mal so hoch ist wie das der ärmsten 20 Prozent. Auf dem Höhepunkt des letzten Jahrzehnts im Jahr 2016, mit dem Referenzjahr 2015, lag dieser Faktor noch bei extremen 6,55.