Griechenland – Der Wirtschaftsstab der griechischen Regierung prüft angesichts der anhaltenden Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie die Reaktivierung des sogenannten Market Pass. Wie Berichte aus der griechischen Presse unter Berufung auf Regierungskreise bestätigen, wird derzeit nach einer tragfähigen Methode gesucht, um dieses bereits im Jahr 2022 erfolgreich eingesetzte Instrument zur finanziellen Entlastung erneut zu implementieren.
Konkrete Ankündigungen zu den Modalitäten werden in den kommenden Tagen erwartet, sobald das anstehende europäische Gipfeltreffen beendet ist und das politische sowie wirtschaftliche Umfeld klarer definiert werden kann. Die Maßnahme soll eine direkte Antwort auf die durch globale Krisen ausgelösten Verwerfungen auf dem Energiemarkt und deren Folgen für den Einzelhandel sein.
Drastischer Anstieg der Lebensmittelinflation im Einzelhandel
Die absolute Notwendigkeit eines erneuten staatlichen Eingreifens verdeutlichen die aktuellen Wirtschaftsdaten, die einen kontinuierlichen und besorgniserregenden Aufwärtstrend der Lebensmittelinflation in Griechenland belegen. Während die Teuerungsrate in diesem Sektor im Dezember noch bei 3,6 Prozent lag, stieg sie im Januar auf 4,5 Prozent und erreichte im Februar schließlich 5,4 Prozent. Diese Preisentwicklung spiegelt sich drastisch in den Kosten für elementare Grundnahrungsmittel wider.
So verzeichnete Rindfleisch im Februar einen massiven Preisanstieg von 25,6 Prozent. Auch Lamm- und Ziegenfleisch verteuerten sich um 12,1 Prozent, was von den zuständigen Behörden teilweise auf die verheerenden Auswirkungen der Schafpocken zurückgeführt wird. Frisches Obst verzeichnete in diesem Zeitraum ebenfalls einen signifikanten Preisaufschlag von 13,6 Prozent.
Neben den frischen Lebensmitteln sind auch verarbeitete Produkte und Genussmittel von der massiven Teuerungswelle erfasst worden. Die Preise für Schokolade und entsprechende kakaohaltige Erzeugnisse stiegen um 16,7 Prozent, während Kaffee einen landesweiten Preisaufschlag von 15 Prozent verzeichnete.
Diese Preisdaten erfassen die offizielle Marktlage bis Ende Februar und beinhalten bereits die wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Eskalation durch den Krieg zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran. Sollte dieser andauernde militärische Konflikt zu einer weiteren Erhöhung der Energiepreise führen, rechnet der Wirtschaftsstab fest mit zusätzlichen unmittelbaren Preissteigerungen in den Supermarktregalen, was die zügige Wiedereinführung der staatlichen Hilfen unumgänglich machen würde.
Strikte Kriterien und historische Daten der Subvention
Ein detaillierter Blick auf die vorherige Anwendungsphase des Market Pass zwischen Februar und März des Jahres 2023 zeigt die enorme soziale Dimension dieser staatlichen Unterstützungsmaßnahme. In diesem konkreten Zeitraum reichten mehr als 2,3 Millionen griechische Haushalte über das staatliche digitale Portal Anträge ein. Abhängig von der jeweiligen Familienkonstellation erhielten die berechtigten Bürger eine monatliche Subvention, die sich zwischen 22 und 100 Euro bewegte. Diese staatlichen Mittel waren streng zweckgebunden und konnten ausschließlich für den Einkauf in Supermärkten, auf Wochenmärkten, in Lebensmittelgeschäften, bei Metzgern, Bäckereien und Fischhändlern eingesetzt werden. Das System finanzierte dabei exakt zehn Prozent der monatlichen Einkäufe, basierend auf festgelegten Ausgabenlimits.
Die damals festgelegten monatlichen Einkaufslimits begannen bei 220 Euro für Einpersonenhaushalte und reichten bis zu einem Maximalbetrag von 1.000 Euro für große Familien mit mehreren Kindern. Die Vergabe der Hilfsgelder war an sehr strenge Einkommens- und Vermögenskriterien geknüpft. Alleinstehende durften ein maximales Jahreseinkommen von 16.000 Euro aufweisen, während die absolute Obergrenze für Paare bei 24.000 Euro lag, zuzüglich eines Freibetrags von 5.000 Euro für jedes gemeldete minderjährige Kind.
Auch das bestehende Immobilienvermögen wurde von den Finanzbehörden streng geprüft: Für Alleinstehende, Verwitwete oder getrennt Lebende lag die Obergrenze des zulässigen Vermögens bei 250.000 Euro. Für Verheiratete, Personen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und Alleinerziehende galt eine strikte Vermögensgrenze von 400.000 Euro.
Anpassung der Parameter an die aktuelle Wirtschaftslage
Angesichts des anhaltenden und extremen Preisdrucks infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten wird die digitale Plattform zur Beantragung des Market Pass voraussichtlich zeitnah wieder geöffnet, um die finanzielle Stabilität der betroffenen Haushalte zu sichern. Das zentrale Thema innerhalb der Regierung betrifft nun die konkrete Ausgestaltung der neuen Subventionsrunde.
Es wird auf Regierungsebene erwartet, dass sowohl die Höhe der monatlichen Zahlungen als auch der Kreis der Anspruchsberechtigten zwingend erweitert werden müssen. Diese strukturellen Anpassungen werden als unverzichtbar erachtet, da die aktuelle Teuerungswelle zu der bereits kumulierten Inflation der vergangenen fünf Jahre hinzukommt und gravierende finanzielle Konsequenzen für die absolute Mehrheit der Verbraucher in Griechenland mit sich bringt.