Griechenland – Auf dem zweiten Gipfel für Kernenergie in Paris hat der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis einen grundlegenden Kurswechsel in der nationalen Energiepolitik angekündigt. Die griechische Regierung prüft derzeit intensiv die Möglichkeit, nukleare Energiequellen in den nationalen Strommix aufzunehmen, um die strukturellen Energiekosten dauerhaft zu senken.
Dieser strategische Schritt soll das Land besser gegen internationale Marktschwankungen und unvorhersehbare geopolitische Krisen absichern. Obwohl das Land historisch gesehen über keinerlei nukleare Infrastruktur verfügt und diese Technologie in der Vergangenheit oft als zu teuer eingestuft wurde, betrachtet die Staatsführung die Kernkraft nun als potenziell essenziellen Bestandteil zur Bewältigung des zukünftigen Strombedarfs.
Interministerieller Ausschuss prüft modulare Reaktoren
Um die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu evaluieren, werde in Athen zeitnah ein interministerieller Ausschuss gebildet. Dieses Gremium erhalte den klaren behördlichen Auftrag, der Regierung endgültige und fundierte Empfehlungen hinsichtlich der zivilen Nutzung der Atomkraft vorzulegen. Das besondere Interesse der staatlichen Planung richte sich dabei auf kleine, sogenannte modulare Reaktoren (SMR), welche eine flexiblere Integration in das bestehende nationale Energienetz versprechen.
Der Premierminister betonte vor den europäischen Vertretern, dass die rasanten technologischen Entwicklungen in diesem Sektor neue Perspektiven eröffnen, die man nicht länger ignorieren dürfe. Trotz des massiven und erfolgreichen Ausbaus der erneuerbaren Energien in Griechenland werde eine zusätzliche, wetterunabhängige Basistechnologie benötigt, um den unweigerlich wachsenden Bedarf an elektrischer Energie in den kommenden Jahrzehnten decken zu können. Die derzeitigen europäischen Vorschriften in diesem Sektor seien jedoch zu komplex geraten und müssten als selbstgeschaffenes Hindernis dringend abgebaut werden.
Ausbau der erneuerbaren Energien als Grundlage
Die bisherige Strategie der griechischen Energieversorgung basierte in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf dem forcierten Ausbau nachhaltiger Quellen. Aktuell stamme bereits mehr als die Hälfte des im Land produzierten elektrischen Stroms aus leistungsstarken Solar- und Windkraftanlagen. Diese grüne Entwicklung habe Griechenland erfolgreich von einem reinen Stromimporteur zu einem Exporteur von Elektrizität auf dem Balkan gewandelt. Die Regierung beabsichtige zudem, die finanziellen Investitionen in diese erneuerbaren Energien kontinuierlich und ohne Einschränkungen fortzusetzen.
Gleichzeitig teile Athen jedoch die politische Einschätzung der französischen Staatsführung, dass die weitreichenden europäischen Klimaziele ohne die Einbindung der Kernkraft nicht realistisch erreichbar seien. In den letzten zwei Jahrzehnten habe Europa der Atomkraft weitgehend den Rücken gekehrt, was zu einem messbaren Rückgang der nuklearen Stromproduktion auf dem Kontinent geführt habe. Die in diesem Zeitraum installierten Solaranlagen der gesamten Europäischen Union hätten den Verlust der nuklearen Kapazitäten jedoch bei Weitem nicht vollständig kompensieren können, weshalb nun eine deutliche Renaissance dieser Technologie unumgänglich sei.
Dekarbonisierung der maritimen Wirtschaft
Ein weiteres zentrales Themenfeld, welches die griechischen Behörden in die nukleare Prüfung einbeziehen, betrifft die heimische und internationale Handelsschifffahrt. Auf diesem massiven Transportsektor existiere laut der Regierungsbewertung bislang keine verlässliche und massentaugliche Lösung, um die Flotten vollständig von fossilen Brennstoffen zu befreien. Die nukleare Antriebstechnik müsse daher zwingend ein Bestandteil der globalen Debatte zur Dekarbonisierung der maritimen Industrie werden.
Es handele sich hierbei um eine erprobte Technologie, die im militärischen Bereich bereits seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich und sicher eingesetzt werde. Die griechische Staatsführung signalisiert damit eine offene und pragmatische Haltung gegenüber der Atomtechnologie. Angesichts der gegenwärtigen globalen Unsicherheiten müssten sämtliche verfügbaren energiepolitischen Optionen auf dem Tisch liegen, wobei die Kernenergie von Athen fortan als integraler Bestandteil einer umfassenden Lösungsstrategie betrachtet wird.