Griechenland – Die Rekrutierung von qualifiziertem Personal entwickelt sich für Unternehmen weltweit zu einer historischen Herausforderung. Laut der aktuellen Studie zur globalen Talentknappheit für das Jahr 2026, die von der Personalberatung ManpowerGroup durchgeführt wurde, haben rund sieben von zehn Betrieben massive Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten für offene Positionen zu finden.
Die umfassende Erhebung, für die Daten aus 41 Ländern und von 39.000 Arbeitgebern ausgewertet wurden, dokumentiert eine drastische Verschärfung der Situation auf den Arbeitsmärkten. Während im Jahr 2006 noch etwa 40 Prozent der Führungskräfte über Rekrutierungsprobleme berichteten, ist dieser Wert bis zum Jahr 2026 auf 72 Prozent angestiegen. Diese Entwicklung, die sich insbesondere nach der globalen Pandemie spürbar beschleunigt hat, trifft Großunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten am härtesten. In diesem Segment liegt die Vakanzquote bei mindestens 74 Prozent, was die operativen Abläufe massiv beeinträchtigt.
Europas Spitzenreiter im Fachkräftemangel
Im europäischen und globalen Vergleich weisen bestimmte Volkswirtschaften besonders kritische Werte auf. Die Slowakei führt die internationale Liste an, da dort 87 Prozent der befragten Manager angeben, offene Stellen nicht adäquat besetzen zu können. Dicht darauf folgt Griechenland mit einer Quote von 84 Prozent, womit das Land gleichauf mit Japan liegt. Auch wirtschaftlich starke Nationen wie Deutschland mit 83 Prozent und Portugal mit 82 Prozent verzeichnen einen eklatanten Mangel an Arbeitskräften. Im Gegensatz dazu weisen Länder wie China mit 48 Prozent, Polen mit 57 Prozent sowie Finnland und Tschechien mit 60 beziehungsweise 61 Prozent deutlich geringere Rekrutierungshürden auf.
Der Mangel erstreckt sich dabei über verschiedene Wirtschaftssegmente, wobei bestimmte Sektoren besonders stark unter Druck stehen. Weltweit gestaltet sich die Personalsuche in der Informationstechnologie mit 75 Prozent an unbesetzten Vakanzen am schwierigsten. Dicht dahinter folgen das Gastgewerbe und das Gesundheitswesen mit jeweils 74 Prozent sowie wissenschaftliche und technische Dienstleistungen mit 73 Prozent, was die globale Wirtschaft vor strukturelle Probleme stellt.
Branchenspezifische Engpässe und griechische Besonderheiten
Die detaillierte Auswertung der nachgefragten Qualifikationen offenbart signifikante nationale Unterschiede. Griechenland nimmt in der Studie eine absolute Sonderrolle ein, da es die einzige untersuchte Nation ist, in der ein akuter und vorrangiger Bedarf an Fachkräften im Bereich der Humanressourcen (HR) besteht. Dieser spezifische Mangel wird von 21 Prozent der griechischen Arbeitgeber als primäres Problem benannt, parallel zu den immensen Lücken im stark ausgeprägten Gastgewerbe. Im Gegensatz dazu fokussiert sich das Interesse in Großbritannien und weiten Teilen Mitteleuropas primär auf die Informationstechnologie und Künstliche Intelligenz. Britische Unternehmen suchen händeringend Personal für die Anwendung von KI-Modellen, die App-Entwicklung sowie für die traditionelle Datenverarbeitung.
Ähnliche Tendenzen zeigen sich in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien, wo neben KI-Spezialisten auch Fachkräfte für das verarbeitende Gewerbe gesucht werden. Andere europäische Staaten setzen wiederum abweichende Prioritäten: In Schweden, den Niederlanden, Tschechien und der Slowakei besteht der größte Bedarf an Ingenieuren, während in Belgien, Irland und Norwegen die Logistikbranche am stärksten unter Personalnot leidet. Außerhalb Europas, insbesondere in weiten Teilen Lateinamerikas, liegt der Fokus primär auf Vertriebs- und Marketingpersonal, mit Ausnahme von Brasilien, Argentinien und Mexiko, die ebenfalls verstärkt in den KI-Sektor investieren.
Strategien der Arbeitgeber zur Personalbindung
Unabhängig von der fachlichen Ausrichtung suchen Unternehmen weltweit nach spezifischen charakterlichen Kompetenzen und weichen Fähigkeiten. Zu den am stärksten nachgefragten Eigenschaften zählen Teamarbeit, Kooperationsbereitschaft, Arbeitsmoral, Anpassungsfähigkeit sowie Problemlösungskompetenz und effektives Zeitmanagement. Um der massiven Talentknappheit entgegenzuwirken, greifen die Führungskräfte primär auf interne Lösungen zurück, anstatt Personal aus dem Ausland anzuwerben.
Die häufigste strategische Antwort besteht in der gezielten Weiterbildung und Umschulung der bereits vorhandenen Belegschaft, was von 27 Prozent der Unternehmen praktiziert wird. Weitere Maßnahmen umfassen die Einführung flexiblerer Arbeitszeiten, die von 20 Prozent der Arbeitgeber angeboten werden, sowie die Gewährung höherer Gehälter bei 19 Prozent der befragten Betriebe. Die Ausweitung des Talentpools durch die Suche nach externen Kandidaten sowie die Ermöglichung einer flexibleren Wahl des Arbeitsortes folgen mit jeweils 18 Prozent auf den weiteren Rängen der Lösungsansätze.