Attika – Die Kraftstoffpreise in der griechischen Hauptstadtregion verzeichnen einen dramatischen Anstieg und belasten die Verbraucher zunehmend. Nach offiziellen Daten des staatlichen Observatoriums für Flüssigkraftstoffpreise hat der Preis für bleifreies Benzin in weiten Teilen Attikas die psychologische Marke von zwei Euro pro Liter deutlich durchbrochen.
An zahlreichen Tankstellen in stark frequentierten Athener Stadtteilen und Vororten wie Kaisariani, Ampelokipi, Galatsi, Dafni, Agia Paraskevi, Chalandri, Marousi, Argyroupoli sowie Alimos bewegen sich die Spitzenpreise aktuell zwischen 2,001 und 2,158 Euro pro Liter. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den landesweiten Durchschnittswerten wider, die durch den Ausbruch der jüngsten globalen Krisen massiv nach oben getrieben wurden.
Die Preisentwicklung zeigt eine unerbittliche Aufwärtsdynamik im gesamten Kraftstoffsektor. So kletterte der durchschnittliche Literpreis für bleifreies Benzin von 1,751 Euro vor Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen auf nunmehr 1,940 Euro, was einem direkten Anstieg von 0,189 Euro entspricht. Noch drastischer fällt die absolute Verteuerung bei Dieselkraftstoff aus. Hier schoss der Durchschnittspreis von ursprünglich 1,570 Euro auf 1,916 Euro pro Liter in die Höhe, was einer massiven Mehrbelastung von 0,346 Euro für die Autofahrer und den Transportsektor gleichkommt.
Die Steuerlast und der begrenzte staatliche Preisdeckel
Dass die Preise an den Zapfsäulen trotz eines von der Regierung verhängten Preisdeckels unaufhaltsam steigen, liegt an der spezifischen Architektur dieser staatlichen Maßnahme. Das zuständige Ministerium hat keine absolute Preisobergrenze für den Endverkauf festgelegt, sondern lediglich das maximale Bruttogewinnmargen-Niveau für Mineralölgesellschaften und Tankstellenbetreiber gedeckelt.
Diese gesetzlich limitierte Gewinnmarge der beiden Vertriebszweige macht jedoch lediglich rund zehn Prozent des finalen Verkaufspreises aus. Folglich kann dieser Mechanismus die Preisexplosion an den Kassen nicht stoppen, wenn die fundamentalen Kostenblöcke auf dem internationalen und nationalen Markt steigen.
Die Zusammensetzung des Benzinpreises in Griechenland wird von anderen, weitaus gewichtigeren Faktoren dominiert. Fast 60 Prozent des Endpreises an der Zapfsäule ergeben sich aus der staatlichen Sonderverbrauchssteuer (EFK) und der regulären Mehrwertsteuer, die in Griechenland historisch auf einem hohen Niveau liegen. Weitere knapp 30 Prozent des Preises werden direkt durch die Einkaufspreise der Raffinerien bestimmt. Da die Gewinnmarge der Händler nur einen Bruchteil ausmacht, schlagen sich diese festen Abgaben und die schwankenden Raffineriekosten ungefiltert auf den Endverbraucher nieder.
Geopolitische Verwerfungen und die globale Ölkrise
Hinter den rasanten Preissteigerungen steht eine hochvolatile Lage an den internationalen Rohstoffmärkten. Laut übereinstimmenden Berichten griechischer Wirtschaftsmedien warnen Branchenvertreter vor der schwersten Krise, die der globale Ölmarkt bisher erlebt habe. Ein zentraler Unsicherheitsfaktor ist die zivile und kommerzielle Schifffahrt durch die strategisch enorm wichtige Straße von Hormus. Durch diese Meerenge im Persischen Golf werden rund 20 Prozent der weltweiten Erdölproduktion transportiert. Die dortigen Störungen führen dazu, dass signifikante Ölmengen für den Weltmarkt vorerst als verloren gelten. Auch die jüngste Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), zusätzliche 400 Millionen Barrel Rohöl freizugeben, konnte die Märkte bislang nicht nachhaltig beruhigen.
Die allgemeine Marktpanik wird durch weitere schwer kalkulierbare Variablen auf der geopolitischen Bühne befeuert. Der völlig ungewisse Ausgang der anhaltenden militärischen Konflikte im Nahen Osten hält die Risikoprämien für Rohöl auf einem extrem hohen Niveau. Hinzu kommt die Unberechenbarkeit der politischen Entscheidungen des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, die die internationalen Akteure in ständiger Alarmbereitschaft halten. Solange diese globale Unsicherheit hinsichtlich der Dauer der Kriege und ihrer ökonomischen Auswirkungen fortbesteht, gehen Experten davon aus, dass der Preis für Brent-Rohöl weiter steigen wird, was unweigerlich zu neuen Preissprüngen auf dem griechischen Binnenmarkt führen wird.
Regierung erwägt neue Entlastungen für Haushalte
Angesichts der erdrückenden Kosten für private Haushalte und Unternehmen rücken neue staatliche Hilfsprogramme in den Fokus der politischen Agenda in Athen. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis äußerte sich am 17. März im Rahmen eines internationalen Wirtschaftsforums zu der angespannten Lage und hielt sich alle Optionen für künftige staatliche Interventionen offen. Der Regierungschef deutete dabei die baldige Einführung zielgerichteter Maßnahmen zur Einkommensstützung an, um den immensen Druck von den Bürgern zu nehmen.
In Regierungskreisen wird demnach die erneute Auflage des sogenannten “Fuel Pass” – einer direkten finanziellen Beihilfe für Kraftstoffkosten – intensiv geprüft. Bemerkenswert ist zudem, dass Mitsotakis zum ersten Mal öffentlich eine mögliche Senkung der hohen Sonderverbrauchssteuer (EFK) auf Kraftstoffe in Aussicht stellte. Eine solche tiefgreifende steuerliche Entlastung knüpfte der Premierminister jedoch an eine zwingende Vorbedingung: Sie könne nur dann umgesetzt werden, wenn es im Vorfeld einen zentralen, abgestimmten Beschluss auf Ebene der Europäischen Union gebe. Das letzte Wort im Kampf gegen die Kraftstoffinflation ist somit noch nicht gesprochen.