Athen – Der erste Frühlingsmonat bringt eine beachtliche Vielfalt an neuen Theaterproduktionen auf die Bühnen der griechischen Hauptstadt. Fünf markante Premieren prägen den Spielplan im März und bieten dem Publikum ein breites Spektrum an internationalen und nationalen Werken.
Die Theaterszene der Metropole präsentiert dabei Welt- und Griechenlandpremieren, die von zeitgenössischer europäischer Literatur über britische Gesellschaftsdramen bis hin zu historischen Reflexionen über die griechische Migration nach Nordamerika reichen. Verschiedene etablierte und experimentelle Ensembles greifen in ihren Inszenierungen komplexe gesellschaftliche Themen auf, darunter familiäre Abgründe, Jugendgewalt und die Suche nach Identität in der Fremde.
Die Vorstellungen verteilen sich auf unterschiedliche Spielstätten der Stadt, von unabhängigen Kunsträumen bis hin zu großen Kulturstiftungen, und spiegeln die dynamische Entwicklung der Athener Kulturszene wider.
Internationale Dramaturgie von Houellebecq bis Bond
Ab dem 5. März präsentiert die Theatergruppe Elephas Tiliensis im Theatro Roes die Weltpremiere einer Bühnenfassung von Michel Houellebecqs jüngstem Roman “Vernichtung” (Griechisch: Ekmidenisi). Die Regisseure Dimitris Agartzidis und Despoina Anastasoglou schließen damit einen inoffiziellen Zyklus über das Werk des französischen Autors ab.
Das politische Drama beleuchtet eine Welt, in der unerklärliche Terroranschläge Schiffe auf den Weltmeeren spalten. Im Zentrum steht Paul Raison, ein hochrangiger Beamter des Finanzministeriums, dessen Rückkehr in sein Elternhaus aufgrund der plötzlichen Erkrankung seines Vaters die familiären Beziehungen schonungslos offenlegt.
Die Inszenierung, in der Dimitris Agartzidis, Markella Giannatou, Dimitris Xanthopoulos, Elina Pantelemidou und Alexandra Sakellaropoulou mitwirken, kontrastiert das ländliche Leben mit der städtischen Hektik und einer Gesellschaft, die sich in Gleichgültigkeit übt.
Am selben Tag feiert auf der Kleinen Bühne (Mikri Skini) des Kulturzentrums der Onassis-Stiftung (Stegi) das neue Werk des argentinischen Regisseurs Mariano Pensotti seine griechische Erstaufführung. Das Stück “Ein unersättlicher Schatten” (Mia achortagi skia) thematisiert das Verhältnis zwischen Vätern und Söhnen. Pensotti ließ dazu im Vorfeld verlauten, dass das Werk von abwesenden Vätern handele, die von ihren Kindern mythisiert würden, sowie von anwesenden Vätern, die Verachtung erführen. Die Handlung dreht sich um einen Bergsteiger und jenen Schauspieler, der dessen Geschichte filmisch verkörpert. Giannis Niarros und Kostas Nikouli stehen für dieses Stück erstmals gemeinsam auf der Theaterbühne.
Einen Tag später, am 6. März, bringt das Ensemble Cartel im Technochoros Cartel unter der Regie von Vasilis Mpismpikis das 1965 entstandene britische Drama “Gerettet” (Sosmenos) von Edward Bond auf die Bühne. Die Handlung wird dabei aus den englischen Vororten der 1960er Jahre in das heutige Athen verlegt. Das Stück fokussiert sich auf Jugendgewalt, das Bedürfnis nach Akzeptanz und den vorherrschenden sozialen Druck. Das Ensemble, bestehend aus Vasilis Mpismpikis, Lena Kitsopoulou, Stelios Tyriakidis, Alexandros Koukias, Anastasia Delta, Giannis Katsimichas, Lefteris Agouridas und Eleni Georgakopoulou, beleuchtet die familiäre Sprachlosigkeit und die generationsübergreifende Weitergabe von Aggression und Resignation.
Griechische Literatur und die historische Migration nach New York
Die Gruppe bijoux de kant widmet sich derweil der griechischen Literatur und präsentiert ab dem 12. März im eigenen HOOD art space das Stück “Gasthaus die gastfreundliche Wüste” (Pandocheion i Filoxeni Erimia). Unter der Regie von Giannis Skourletis basiert die Inszenierung auf dem Werk des Nachkriegsautors Epaminondas Gonatas. Die Handlung folgt einem einsamen Gast in einem abgelegenen Wirtshaus, der nachts durch seltsame Geräusche aus dem Nebenzimmer aufgeschreckt wird. Auf der Suche nach der Ursache verstrickt er sich in komische Missverständnisse, bis er auf eine Person aus seiner Vergangenheit trifft. Auf der Bühne agieren Thanasis Dimou und Charis Charalampous Kazepis.
Das Athener Theaterprogramm wird durch die Musiktheaterproduktion “Astoria” ergänzt, die auf einem Originaltext von Konstantinos Samaras basiert und von Vasilis Mavrogeorgiou inszeniert wird. Das Stück versetzt das Publikum in das New York der 1920er und 1930er Jahre. In einem griechischen Kaffeehaus im Stadtteil Astoria formiert sich eine Gemeinschaft von Einwanderern, die um ihr Überleben und den Erhalt ihrer Erinnerungen in der Fremde kämpft.
Das umfangreiche Ensemble umfasst Evelyn Assouad beziehungsweise Theodosia Savvaki, Christos Stergioglou, Bessy Malfa, Maria Kechagioglou, Michalis Alikakos, Giannis Tsoumarakis, Ariadni Kavalierou, Foteini Papatheodorou, Dimitris Machairas, Dimitris Galanakis, Theano Kladi, Giannis Mpismpikopoulos, Nikos Dertilis, Michalis Koutskoudis, Leonidas Mpakalis, Anatoli Tselaridou und Eleni Tsinareli. Die Aufführung zeigt detailliert auf, wie der Gesang zur treibenden Kraft und zum Widerstand der griechischen Migranten in den Vereinigten Staaten wurde.