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Rote Backsteingebäude und Schornsteine der Technopolis in Athen, Veranstaltungsort des Literaturfestivals
Kultur

Erstes internationales Literaturfestival in Athen kündigt Programm an

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
28.02.2026 13:28
Antonia Feldberg
AthenEntdecken
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By Webdesign Meister
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Athen – Die griechische Hauptstadt richtet vom 27. bis zum 29. März 2026 erstmals das Internationale Literaturfestival Athen (AILF) aus. Veranstaltungsort ist das Kulturzentrum Technopolis, ein ehemaliges städtisches Gaswerk, das heute als zentraler Knotenpunkt für kulturelle Großereignisse in der Metropole dient. Das detaillierte Programm umfasst Lesungen, Podiumsdiskussionen und Meisterklassen mit renommierten griechischen sowie internationalen Autoren, Kritikern und Kulturschaffenden.

Zentrale thematische Schwerpunkte bilden weitreichende gesellschaftliche Herausforderungen wie geschlechtsspezifische Gewalt, die Rolle der Politik in der zeitgenössischen Literatur sowie die zukünftige Entwicklung des Leseverhaltens. Der Zugang zu sämtlichen Veranstaltungen auf dem Gelände der Technopolis ist für das Publikum kostenfrei, erfordert jedoch im Vorfeld den Bezug von Einlasskarten. Die Organisatoren zielen darauf ab, einen offenen Raum für den intellektuellen Austausch zu schaffen, der weit über die klassische Buchpräsentation hinausgeht.

Institutionelle Ausrichtung und politische Dimensionen

Der Athener Bürgermeister, Charis Doukas, äußerte sich anlässlich der Programmpräsentation zur konzeptionellen Ausrichtung des neuen Formats. Doukas erklärte, das Festival bringe unterschiedliche Stimmen, Erfahrungen und Sorgen an einen Tisch. Er betonte, dass die Literatur auf diese Weise als lebendiges Werkzeug zur gesellschaftlichen Einmischung und zum tiefgreifenden Verständnis diene. Für drei Tage werde die Technopolis der Stadt Athen zu einem zentralen Treffpunkt für führende Schriftsteller, Journalisten, Aktivisten und Akademiker aus dem In- und Ausland. Das erklärte Ziel sei es, die Literatur aus den Bücherregalen zu holen und sie direkt mit der Gesellschaft zu konfrontieren.

Inhaltlich widmet sich ein wesentlicher Teil des Programms dem Erstarken autoritärer Strömungen und der extremen Rechten in Europa. In einer zentralen Diskussionsrunde unter dem Titel “Hoffnung als Fehler?” debattieren der ungarische Literaturnobelpreisträger des Jahres 2025, László Krasznahorkai, die deutsche Publizistin Carolin Emcke, der Historiker Kostis Karpozilos sowie Kostis Papaioannou.

Papaioannou fungiert als Präsident der Technopolis und leitet gleichzeitig eine Beobachtungsstelle für rechtsextreme Entwicklungen in Griechenland. Gemeinsam analysieren sie die zunehmende Normalisierung von Hass im öffentlichen Diskurs und die Grenzen des politischen Denkens in Krisenzeiten. Weitere gesellschaftspolitische Akzente setzt der ehemalige französische Fußballnationalspieler und heutige Aktivist Lilian Thuram, der im Rahmen eines Panels über rassistische Stereotype innerhalb und außerhalb des Sports sowie über sein aktuelles Werk zur “weißen Denkweise” spricht.

Literarische Schwerpunkte, Identität und Meisterklassen

Das Festivalprogramm rückt die detaillierte Auseinandersetzung mit den Werken der geladenen internationalen Schriftsteller in den Vordergrund. Der britische Autor David Szalay, Gewinner des Booker-Preises 2025, analysiert das komplexe Verhältnis von Literatur und Geschlechterrollen. Die irischen Schriftsteller Paul Lynch, ebenfalls Booker-Preisträger, und Kevin Barry beleuchten in separaten Veranstaltungen den aktuellen internationalen Erfolg der irischen Literatur, die Herausforderungen durch künstliche Intelligenz für die Autorenschaft sowie die Entwicklung unkonventioneller Romanfiguren. Die amerikanische Autorin Nicole Krauss und der italienische Schriftsteller Matteo Nucci erörtern narrative Mechanismen und die heutige politische und kulturelle Relevanz der klassischen Antike.

Ein eigenständiger Schwerpunkt ist der Reflexion über geschlechtsspezifische Gewalt und Identität gewidmet. Autorinnen wie die Argentinierin Selva Almada und die Deutsche Katharina Volckmer debattieren über den sprachlichen Umgang mit Femiziden in patriarchal geprägten Gesellschaftsstrukturen und die Frage, wie Gewalt literarisch verarbeitet wird. Ergänzt wird das theoriebasierte Angebot durch exklusive Meisterklassen mit Paul Lynch und Nicole Krauss, die sich intensiv mit dem kreativen Schreibprozess und der Rolle der Sprache bei der Formung von Erinnerung befassen. Für diese speziellen praxisorientierten Formate ist eine vorherige Registrierung sowie die Entrichtung einer Teilnahmegebühr über die offizielle Plattform des Festivals zwingend erforderlich.

Infrastruktur, Begleitprogramm und lokaler Bezug

Die Veranstaltungen finden primär in zwei ausgewiesenen Sektoren der Technopolis statt: im Amphitheater “Miltiadis Evert”, dem ehemaligen Gasbehälter 1, sowie im restaurierten Bereich der alten Reinigungsbecken. Um eine breite internationale und inklusive Zugänglichkeit zu gewährleisten, werden alle stattfindenden Debatten simultan in die griechische, englische und in die Gebärdensprache übersetzt. Besucher, die keinen Platz in den Veranstaltungsräumen finden, können die Diskussionen über Bildschirme auf dem Außengelände in Echtzeit verfolgen.

Das Festival integriert zudem eine starke lokale Komponente, die den Einfluss der Stadt Athen auf die literarische Produktion dokumentiert. Die Erstausgabe widmet sich in einer speziellen Einheit dem Werk des 2014 verstorbenen Athener Chronisten Menis Koumandareas, in dessen zahlreichen Büchern die griechische Hauptstadt als prägender, oft einengender städtischer Organismus fungiert.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussionen finden in den ehemaligen Öfen der Technopolis täglich Signierstunden mit den anwesenden Autoren statt. Die entsprechenden Publikationen sowie das offizielle Veranstaltungsmaterial werden im städtischen Shop und in einem eigens eingerichteten Lese-Café auf dem Gelände vertrieben. Den formellen Abschluss der Erstausgabe des Festivals bildet am späten Sonntagabend eine finale Diskussionsrunde zur literarischen Dekonstruktion gesellschaftlicher Denkstrukturen.

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