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Ein Teenager hält eine E-Zigarette auf dem Schulhof in Griechenland
Gesellschaft

Gesundheitsrisiko E-Zigarette: Griechische Experten fordern strengere Regeln

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
15.03.2026 13:53
Antonia Feldberg
GriechenlandGesundheit & Vorsorge
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By Webdesign Meister
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Griechenland – Während der Anteil der erwachsenen Raucher in Griechenland eine rückläufige Tendenz aufweist und sich bei etwa 30 Prozent stabilisiert hat, verzeichnen die Gesundheitsbehörden einen drastischen Anstieg beim Konsum von E-Zigaretten und klassischen Tabakprodukten unter Jugendlichen. Laut den neuesten Daten der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) haben 54 Prozent der 16-jährigen Schüler im Jahr 2024 bereits Erfahrungen mit konventionellen oder elektronischen Zigaretten gemacht. Dies stellt einen signifikanten Anstieg gegenüber den 43 Prozent dar, die im entsprechenden Untersuchungszyklus des Jahres 2019 ermittelt wurden.

Diese Entwicklung offenbart eine komplexe Dynamik im Bereich der öffentlichen Gesundheit, bei der die Erfolge der Tabakprävention bei Erwachsenen durch eine rasante Verbreitung neuer Nikotinprodukte in der jüngeren Generation konterkariert werden. Über die Hälfte der griechischen Schülerschaft hat bereits Berührungspunkte mit E-Zigaretten, was eine tiefe Verwurzelung dieser Produkte im schulischen Umfeld signalisiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie nationale medizinische Fachgesellschaften betrachten diese Ausbreitung mit wachsender Sorge, da sich die Konsummuster grundlegend verändert haben.

Der Wandel der Nikotinprodukte und bestehende Gesetzeslücken

Vertreter der Weltgesundheitsorganisation weisen darauf hin, dass die aktuellen gesundheitspolitischen Maßnahmen primär für herkömmliche Tabakprodukte konzipiert worden seien. Instrumente wie Tabaksteuern, strikte Antirauchergesetze, visuelle Warnhinweise auf den Verpackungen und Werbebeschränkungen seien auf das klassische Rauchen ausgerichtet. Moderne Alternativen, insbesondere E-Zigaretten und Nikotinbeutel, würden diese regulatorischen Lücken gezielt ausnutzen. Diese Produkte zeichneten sich durch süße Aromen, ansprechende Designs und ein sehr aggressives Onlinemarketing aus, das den Schutz von Minderjährigen oftmals unterlaufe.

Die Vermarktungsstrategien der Industrie seien nach Erkenntnissen von unabhängigen Forschern und der WHO systematisch auf ein junges Publikum zugeschnitten. Anstelle von langjährigen Rauchern im mittleren Alter würden gezielt Jugendliche ins Visier genommen. Dies geschehe durch die Einbindung von Influencern in den sozialen Medien, durch Sponsoring im Musik- und Gaming-Bereich sowie durch Gerätedesigns, die eher modernen Technologie-Gadgets als klassischen Tabakprodukten ähnelten. Gleichzeitig erweise sich die Durchsetzung bestehender Altersbeschränkungen an Verkaufsstellen wie Kiosken, in kleinen Geschäften, im Onlinehandel oder innerhalb informeller Netzwerke als unzureichend, wodurch Jugendliche nahezu ungehindert Zugang zu diesen Erzeugnissen erhielten.

Die Illusion der Harmlosigkeit im digitalen Zeitalter

Medizinische Experten aus Griechenland führen die hohe Akzeptanz der neuen Nikotinprodukte unter Jugendlichen auf deren gezielte Positionierung als harmlose, moderne und gesellschaftlich anerkannte Lifestyle-Artikel zurück. Die Normalisierung des Konsums werde durch soziale Medien, algorithmisch gesteuerte Inhalte und eine omnipräsente digitale Präsenz forciert. Nikotinabhängigkeit werde auf diese Weise als modischer Trend verschleiert. Jugendliche würden in einem digitalen Ökosystem aufwachsen, das Vaping kontinuierlich als populär und ungefährlich präsentiere, wodurch die Substanz nahtlos in ihre Alltagskultur integriert werde.

Hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Verteilung zeigen globale Daten der WHO, dass der Konsum von E-Zigaretten bei Jungen mit 8,6 Prozent höher liege als bei Mädchen mit 5,7 Prozent. Im europäischen Raum zeige sich jedoch ein differenzierteres Bild: Hier lägen Mädchen beim Vaping mit 15 Prozent leicht vor den Jungen mit 13,6 Prozent. Eine ähnliche Tendenz sei beim konventionellen Rauchen in Europa zu beobachten, wo Mädchen einen Anteil von 8,7 Prozent im Vergleich zu 8,2 Prozent bei den Jungen aufwiesen. Fachleute ordnen diese Zahlen sozialen Verhaltensmustern zu, bei denen ästhetische Aspekte und Gruppenzugehörigkeit eine ebenso große Rolle spielen wie Neugierde und Risikobereitschaft.

Gesundheitsrisiken und die Haltung der Weltgesundheitsorganisation

Die Weltgesundheitsorganisation warnt nachdrücklich davor, elektronische Zigaretten und Tabakerhitzer als unbedenklich einzustufen. Die in den meisten dieser Produkte enthaltene Nikotinmenge berge ein enormes Suchtpotenzial, das sich besonders schädlich auf die Gehirnentwicklung von Heranwachsenden auswirke und frühzeitig eine physische Abhängigkeit etabliere. Darüber hinaus bestehe das beim Dampfen inhalierte Aerosol nicht lediglich aus harmlosem Wasserdampf, sondern enthalte eine Vielzahl toxischer Verbindungen, die tief in die Atemwege eindringen könnten.

Wissenschaftliche Analysen der Aerosole und Flüssigkeiten haben das Vorhandensein von Schwermetallen, Aldehyden, flüchtigen organischen Verbindungen, Nitrosaminen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen nachgewiesen. Diese Substanzen korrelieren in der medizinischen Fachliteratur mit oxidativem Stress sowie entzündlichen Reaktionen im kardiovaskulären System und im Atemtrakt. Einige der nachgewiesenen chemischen Verbindungen sind zudem als erwiesenermaßen krebserregend klassifiziert, was die potenziell gravierenden Langzeitfolgen des regelmäßigen Konsums unterstreicht.

Medizinische Bedenken und langfristige Folgen

Griechische Onkologen betonen, dass die Wissenschaft bereits heute eine klare Verbindung zwischen Vaping-Produkten, Lungenzellschäden und einem hohen Abhängigkeitsrisiko ziehen könne. Die Erfassung sämtlicher langfristiger Auswirkungen, analog zu den jahrzehntelangen Studien zum klassischen Tabakkonsum, stehe jedoch noch aus. Die rasche Veränderung der Gerätespezifikationen und der chemischen Zusammensetzungen erschwere langfristige Beobachtungsstudien. Da onkologische Prozesse oft Jahrzehnte zur Entwicklung benötigten, sei das Fehlen von Langzeitdaten kein Indikator für Sicherheit, sondern vielmehr ein Aufschub der diagnostischen Gewissheit.

Mediziner warnen zudem vor der Annahme, E-Zigaretten könnten als sicheres Mittel zur Raucherentwöhnung dienen. Fachgesellschaften in Europa und den Vereinigten Staaten empfehlen Vaping nicht als evidenzbasierte Entwöhnungsmethode. Besonders alarmierend sei die Erkenntnis, dass das Dampfen für Jugendliche nicht als Ersatzhandlung funktioniere, sondern vielmehr als Einstiegstor diene. Aktuelle Daten belegten, dass Heranwachsende, die E-Zigaretten konsumieren, eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit aufwiesen, später auch auf konventionelle Tabakprodukte umzusteigen.

Präventionsstrategien und die Rolle der Gesellschaft

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzen griechische Initiativen auf neue Kommunikationswege. Präventionskampagnen zielen darauf ab, Jugendliche auf Augenhöhe anzusprechen, anstatt auf moralisierende Belehrungen zu setzen. Projekte nutzen Humor und authentische Vorbilder, wie beispielsweise Athletinnen der griechischen Wasserball-Nationalmannschaft, um die vermeintliche Attraktivität des Dampfens zu demystifizieren. Die Kernbotschaft lautet, dass echte Stärke und Selbstbewusstsein keine Nikotinabhängigkeit erfordern.

Experten fordern zudem ein geschlossenes Vorgehen von Eltern, Bildungseinrichtungen und dem Staat. Die Aufklärung müsse bereits im Grundschulalter durch strukturierte Gesundheitserziehung beginnen. Gleichzeitig sei der Gesetzgeber gefordert, den Jugendschutz durch stringente Zugangskontrollen, die Einschränkung der digitalen Sichtbarkeit der Produkte und ein striktes Verbot von jugendaffinen Aromen konsequent durchzusetzen. Vaping dürfe gesellschaftlich nicht länger als harmlose Modeerscheinung bagatellisiert werden.

Digitale Werkzeuge und regulatorische Ausblicke in Griechenland

Die Vorgaben der WHO an die Mitgliedsstaaten sind unmissverständlich: Gefordert werden unter anderem ein Verbot von zielgruppenorientierten Aromen, umfassende Werbe- und Sponsoringverbote im digitalen Raum, deutliche gesundheitliche Warnhinweise, strenge Vorgaben zur Produktzusammensetzung sowie die konsequente Einbeziehung von Vaping-Produkten in bestehende Nichtraucherschutzgesetze. Ebenso müsse die Tabakrahmenkonvention (FCTC), insbesondere der Artikel zur Abwehr der Einflussnahme durch die Tabakindustrie, rigoros angewendet werden.

In Griechenland zeichnen sich derweil technologische Lösungsansätze zur Durchsetzung der Altersgrenzen ab. Die Gesundheitsbehörden bewerten die Implementierung digitaler Instrumente zur Altersverifikation, die an die europäische digitale Brieftasche (EU Digital Identity Wallet) gekoppelt werden sollen, als vielversprechenden Schritt. Auch für den Online- und Fernabsatz von Tabak- und E-Zigarettenprodukten seien solche digitalen Kontrollmechanismen in Vorbereitung. Der Erfolg dieser Maßnahmen hänge letztendlich jedoch von der lückenlosen Überwachung und der strikten Sanktionierung von Verstößen ab.

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