Thessaloniki – Im Bestreben, die digitale Spaltung innerhalb der Gesellschaft zu verringern, lanciert die Gemeinde Pylaia-Chortiatis im Großraum Thessaloniki eine gezielte technologische Bildungsinitiative. Das neu eingeführte Programm mit dem Titel “Digitale Bildung und Befähigung” richtet sich spezifisch an demografische Gruppen, die im Prozess der fortschreitenden Digitalisierung des Alltags häufig auf strukturelle Barrieren stoßen. Zugangsberechtigt sind Einwohner der Kommune, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, sowie Bürgerinnen und Bürger mit einem amtlich festgestellten Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent.
Durch strukturierte Präsenzveranstaltungen unter der direkten Leitung von spezialisiertem Fachpersonal sollen die Teilnehmer systematisch an moderne Technologien herangeführt werden. Der Lehrplan fokussiert sich primär auf die grundlegende Navigation im Internet sowie die sichere Abwicklung digitaler Transaktionen, um die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich zu steigern und physische Distanzen virtuell zu überwinden.
Zugang zu staatlichen Dienstleistungen und Anmeldung
Ein zentraler Bestandteil der Ausbildung ist die praktische Einweisung in das staatliche Webportal gov.gr. Diese zentrale digitale Plattform des griechischen Staates bündelt mittlerweile nahezu alle wesentlichen Verwaltungsvorgänge, von der Ausstellung offizieller Dokumente bis hin zu Terminen bei Behörden. Die sichere Nutzung dieses Portals gilt als fundamentaler Schritt zur administrativen Unabhängigkeit der Bürger in Griechenland. Das vorliegende Schulungsprojekt zielt darauf ab, den Teilnehmern die notwendige Sicherheit im Umgang mit diesen sensiblen Online-Diensten zu vermitteln, sodass physische Behördengänge für diese vulnerablen Gruppen zukünftig deutlich reduziert werden können.
Das formelle Bewerbungsverfahren für die Teilnahme an diesem Bildungsprogramm wird ausschließlich auf elektronischem Wege abgewickelt. Interessenten müssen ihre Anträge über die designierte staatliche Plattform empower.gov.gr einreichen. Hierfür ist zwingend die Nutzung der persönlichen Zugangsdaten des griechischen Steuersystems (TaxisNet) erforderlich, was die eindeutige Authentifizierung der Antragsteller gewährleistet. Die Einreichungsfrist endet strikt um Mitternacht des 15. März 2026. Da die organisatorischen Kapazitäten eng limitiert sind, greift ein chronologisches Auswahlverfahren: Lediglich die ersten 30 erfolgreich übermittelten und geprüften Anmeldungen erhalten einen der zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze.
Institutionelle Kooperation und organisatorischer Rahmen
Hinter der Realisierung dieses Inklusionsprojekts steht eine weitreichende institutionelle Kooperation. Die Initiative ist ein gemeinsames Unterfangen des griechischen Ministeriums für sozialen Zusammenhalt und Familie sowie des Ministeriums für digitale Governance. Die konkrete operative Umsetzung obliegt der Nationalen Infrastruktur für Forschung und Technologie (EDYTE S.A.), während die finanzielle Absicherung des Projekts durch europäische Mittel aus dem Aufbau- und Resilienzfonds gewährleistet wird. Dieser strukturelle Unterbau verdeutlicht die Priorität, die der digitalen Integration älterer Menschen sowie von Personen mit Einschränkungen auf nationaler Ebene beigemessen wird.
Die praktischen Lehreinheiten finden in den Räumlichkeiten des zweiten offenen Seniorenzentrums (KAPI) im Stadtteil Pylaia statt. Unter der administrativen Koordination der Projektverantwortlichen Velkoudi beginnt der Schulungszyklus Ende März und wird im Juni 2026 abgeschlossen. Für Bürger, die bei der elektronischen Anmeldung technische Unterstützung benötigen, hat die Gemeinde Pylaia-Chortiatis entsprechende Hilfsstrukturen eingerichtet. Telefonische Auskünfte und konkrete Anleitung zur Antragsstellung bieten sowohl das örtliche Seniorenzentrum als auch das lokale Gemeindezentrum (Kentro Koinotitas).
Der Bürgermeister von Pylaia-Chortiatis und amtierende Präsident des Regionalen Gemeindeverbandes von Zentralmakedonien, Ignatios Kaitezidis, positionierte sich klar zu den übergeordneten Zielen der Initiative. Er ließ verlauten, dass technologischer Fortschritt nur dann einen realen Wert besitze, wenn er dem Menschen diene und dessen Bedürfnis nach Kommunikation und Würde unterstütze. Durch das Programm wolle man den älteren Generationen sowie Menschen mit Alltagshürden den Zugang zu mehr Unabhängigkeit und Sicherheit ermöglichen. Es handele sich dabei nicht um bloße Computerkurse, betonte der Kommunalpolitiker, sondern um einen fundamentalen Akt des Respekts gegenüber all jenen, die ein unveräußerliches Recht auf gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe hätten.