Griechenland – Die Durchdringung der Gesellschaft mit Künstlicher Intelligenz (KI) in Griechenland schreitet voran, ist jedoch an klare gesellschaftliche Bedingungen geknüpft. Eine aktuelle landesweite Erhebung der Forschungsinstitute diaNEOsis und Metron Analysis, durchgeführt im Januar 2026 unter 1.111 Befragten, offenbart eine breite Nutzung der Technologie für praktische Zwecke. Gleichzeitig fordert eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung strikte gesetzliche Einschränkungen und bevorzugt bei kritischen Dienstleistungen weiterhin den menschlichen Kontakt.
Die allgemeine Bekanntheit der Technologie erreicht mittlerweile nahezu die gesamte Bevölkerung. Laut der Umfrage geben 80,1 Prozent der Befragten an, genau zu wissen, was KI ist, während weitere 14,9 Prozent zumindest davon gehört haben. Lediglich fünf Prozent verzeichnen völlige Unkenntnis. Bemerkenswert ist die hohe praktische Adaption: 65 Prozent der Griechen haben bereits mindestens einmal eine KI-Anwendung genutzt.
Diese Nutzung verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig über die Gesellschaftsstrukturen. Männliche Nutzer, jüngere Altersgruppen sowie Personen mit höherem Bildungsabschluss und Einkommen greifen signifikant häufiger auf diese digitalen Werkzeuge zurück. Bei den nicht nutzenden Personen dominieren hingegen Gefühle der Skepsis und der Angst. Fast die Hälfte dieser Gruppe gibt als Hauptgrund für die Ablehnung an, menschlich bleiben zu wollen, was auf tieferliegende Vorbehalte gegenüber der Maschine-Mensch-Interaktion hindeutet.
Pragmatismus dominiert den technologischen Alltag
Unter den aktiven Nutzern zeigt sich ein klares Bild hinsichtlich der Anwendungsmotive. Künstliche Intelligenz wird in Griechenland primär als nützliches Werkzeug und weniger als Unterhaltungsmedium betrachtet. Informationsbeschaffung und Nachrichtenaktualisierung sowie Lernen und Bildung führen die Liste der Nutzungsgründe mit jeweils knapp 65 Prozent an. Mehr als die Hälfte der Anwender setzt die Technologie im beruflichen Umfeld ein, gefolgt von technischer Hilfestellung mit rund 46 Prozent. Auf dem griechischen Markt dominiert dabei das Programm ChatGPT eindeutig, das von über 75 Prozent der Nutzer regelmäßig verwendet wird, während Konkurrenzprodukte wie Google AI Overview oder Gemini deutlich dahinter zurückbleiben.
Auffällig ist der kritische Umgang mit den generierten Inhalten. Wenn ein System eine vermeintlich falsche Antwort liefert, überprüfen die Nutzer die Daten durch andere Internetquellen, fordern eine menschliche Bestätigung ein oder verlangen von der KI selbst weitere Belege. Das bloße Konsumieren von KI-Antworten weicht einer kontrollierenden Nutzung. Dennoch wird die Technologie überwiegend dort akzeptiert, wo sie Produktivität und Effizienz verspricht, während sie als Ersatz für emotionale Bindungen, wie psychologische Hilfe oder Gesellschaft, mit Raten unter elf Prozent kaum Relevanz besitzt.
Fehlendes Vertrauen bei existenziellen Fragen
Trotz der weiten Verbreitung im Arbeits- und Bildungsbereich stößt die Technologie bei persönlichen und sensiblen Themen auf eine harte gesellschaftliche Akzeptanzgrenze. Die Bereitschaft, einem KI-System weitreichende Entscheidungen anzuvertrauen, ist stark kontextabhängig. Etwa zwei Drittel der Nutzer zeigen sich offen dafür, Algorithmen bei finanziellen oder beruflichen Fragestellungen sowie bei der persönlichen Organisation zurate zu ziehen.
Sobald es jedoch um fundamentale Lebensbereiche geht, bricht das Vertrauen drastisch ein. Bei gesundheitlichen Problemen, in Beziehungsfragen oder bei juristischen Angelegenheiten sinkt die Zustimmungsrate auf Werte um 30 Prozent. Die absolute Grenze der Akzeptanz markieren gerichtliche Entscheidungen, bei denen lediglich 14,4 Prozent der Befragten den Einsatz einer Künstlichen Intelligenz befürworten. Die griechische Bevölkerung zieht hier eine scharfe Trennlinie zwischen digitaler Assistenz bei Sachfragen und der Auslagerung ethischer oder existenzieller Urteile an Maschinen.
Ruf nach staatlichen Grenzen und menschlichem Service
Aus diesen tief sitzenden Vorbehalten leitet sich eine klare politische Forderung der griechischen Gesellschaft ab. Eine überwältigende Mehrheit von 90,3 Prozent aller Befragten, die mit dem Begriff KI vertraut sind, verlangt verbindliche Einschränkungen und Regulierungen für den Einsatz der Technologie. Nur knapp neun Prozent plädieren für eine völlig freie und unregulierte Entwicklung. Dieser Ruf nach staatlichen Leitplanken wird bemerkenswerterweise auch von der großen Mehrheit der regelmäßigen Nutzer mitgetragen, was die Forderung nach Transparenz und Rechenschaftspflicht unterstreicht.
Parallel dazu erteilen die Bürger der flächendeckenden Automatisierung im Dienstleistungssektor eine klare Absage. Bei Kontakten mit Banken, Versorgungsunternehmen oder Gesundheitsdiensten bevorzugen 87,3 Prozent ausdrücklich das Gespräch mit einem menschlichen Mitarbeiter gegenüber einem KI-System. Diese Präferenz für den persönlichen Kontakt bleibt selbst bei Routineangelegenheiten ohne Dringlichkeit bestehen, was Behörden und Unternehmen bei der geplanten Digitalisierung ihres Kundenservices vor signifikante Herausforderungen stellt.