Patras – Nach einer intensiven Suchaktion von 49 Tagen ist eine 16-jährige Jugendliche, die aus ihrem familiären Umfeld in der westgriechischen Hafenstadt Patras verschwunden war, in der deutschen Hauptstadt Berlin aufgefunden worden. Griechischen und deutschen Behörden zufolge entdeckten deutsche Polizeibeamte das Mädchen am frühen Donnerstagabend, den 26. Februar, als sie unauffällig auf einer Berliner Straße spazieren ging.
Die Minderjährige hatte ihr Zuhause im Vorort Rio bereits Anfang Januar verlassen und galt seit anderthalb Monaten als vermisst. Unmittelbar nach ihrem Auffinden in Berlin wurde sie den erforderlichen medizinischen Untersuchungen unterzogen, um ihren allgemeinen Zustand zu bewerten. Im Anschluss daran ist eine Überweisung der 16-Jährigen in eine staatliche Betreuungseinrichtung für Jugendliche in Deutschland vorgesehen.
Die zuständigen deutschen Behörden haben die formelle Aufgabe übernommen, die Familie des Mädchens über die aktuellen Entwicklungen in Kenntnis zu setzen. Der Fall, der grenzüberschreitende Ermittlungen auslöste, wirft nun komplexe rechtliche und familiäre Fragen auf, deren abschließende Klärung in den kommenden Tagen durch die Justizbehörden beider Länder erfolgen muss.
Chronologie der Flucht und eigene Ermittlungen des Vaters
Die detaillierte Rekonstruktion der Ereignisse zeigt, dass die Jugendliche ihren Heimatort Rio bei Patras ursprünglich mit einem Taxi in Richtung der griechischen Hauptstadt Athen verließ. Aufnahmen von Überwachungskameras dokumentierten, dass die Minderjährige in der Folge versuchte, persönliche Wertgegenstände zu veräußern, um die notwendigen finanziellen Mittel für ein Flugticket nach Deutschland zu beschaffen. Wie eine große deutsche Fluggesellschaft Anfang Februar mit mehrtägiger Verzögerung offiziell bestätigte, reiste die 16-Jährige am 8. Januar allein auf einem Direktflug von Athen nach Frankfurt am Main. Die entscheidende Information über diese grenzüberschreitende Flugreise stammte dabei aus den eigenen Nachforschungen des Vaters.
Nachdem die offiziellen Ermittlungen der griechischen Sicherheitsbehörden vorübergehend an einem toten Punkt angelangt waren, nahm der Vater persönlich Kontakt mit der Fluggesellschaft auf. Unter Berufung auf seinen rechtlichen Status als Verwandter ersten Grades erhielt er die formelle Bestätigung über den Flug seiner Tochter nach Frankfurt am Main. Er leitete diese maßgeblichen Erkenntnisse umgehend an die zuständigen Ermittlungsbehörden weiter, was den Fokus der internationalen Suche endgültig auf das deutsche Bundesgebiet lenkte.
Konflikte, familiäres Umfeld und weiteres Vorgehen der Justiz
Die genauen Motive für das Verschwinden der Minderjährigen bilden den Kern der laufenden Untersuchungen. Laut Informationen aus dem privaten Umfeld des Mädchens, über die griechische Medien berichten, habe die 16-Jährige erhebliche Schwierigkeiten gehabt, sich an den Umzug der Familie aus dem Ausland nach Griechenland anzupassen. Die sprachlichen Barrieren, der Aufbau neuer sozialer Kontakte sowie die Eingliederung in das griechische Schulsystem hätten eine massive Belastung für sie dargestellt.
Verwandte in Deutschland äußerten zudem, dass das Verhältnis zwischen der Jugendlichen und ihrem Vater stark konfliktbehaftet gewesen sei. Dabei wurden Vorwürfe über ein angeblich missbräuchliches Verhalten des Vaters laut, welches bereits in der Vergangenheit dazu geführt haben soll, dass die Minderjährige temporär in einer deutschen Betreuungseinrichtung untergebracht worden war.
Ein privater Ermittler erklärte gegenüber dem griechischen Fernsehen, dass die zuständige Staatsanwaltschaft in den nächsten Tagen darüber entscheiden werde, ob eine Rückführung in das familiäre Umfeld nach Rio erfolgen könne. Geplant ist zudem ein zeitnahes Treffen zwischen der Jugendlichen und ihren Eltern unter strenger Aufsicht eines Sozialarbeiters. Der Vater hält sich bereits seit drei Wochen in Deutschland auf, hatte jedoch bis zum Zeitpunkt des Auffindens am Donnerstag keinen direkten Kontakt zu seiner Tochter herstellen können.