Athen – Um dem massiven Verkehrsaufkommen in der griechischen Hauptstadtregion entgegenzuwirken, hat das Ministerium für Bürgerschutz ein neues operatives Konzept mit dem Titel “Komvos” initiiert. Das Pilotprojekt zielt darauf ab, die täglichen Verzögerungen auf den Straßen Attikas um bis zu 25 Prozent zu reduzieren. Durch den gezielten Einsatz einer neuen Spezialeinheit der griechischen Verkehrspolizei (Trochaia), die Implementierung digitaler Überwachungstechnik sowie die direkte Einbindung der Zivilgesellschaft soll der städtische Verkehrsfluss nachhaltig verbessert werden. Das Ministerium reagiert mit diesem umfassenden Schritt auf die erheblich gestiegene Verkehrsbelastung in der gesamten Metropolregion.
Neue Spezialeinheit für städtische Knotenpunkte
Der zuständige Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, gab in diesem Zusammenhang bekannt, dass für die Umsetzung des Plans eine völlig neue Struktur innerhalb der Verkehrspolizei geschaffen wurde. Diese operative Einheit setze sich aus rund 150 speziell abgestellten Polizeibeamten zusammen. Von diesen Einsatzkräften sollen 40 Beamte permanent auf Motorrädern patrouillieren, um bei Verkehrsstörungen, Unfällen oder Blockaden schnellstmöglich im dichten Stadtverkehr eingreifen zu können. Die verbleibenden Polizisten seien als Fußpatrouillen konzipiert und sollen an strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkten und großen Kreuzungen positioniert werden, um den Verkehrsfluss bei Bedarf manuell zu regulieren.
Die Notwendigkeit dieses direkten polizeilichen Eingreifens ergebe sich aus der drastischen Zunahme des motorisierten Individualverkehrs in Griechenland. Laut den Ausführungen des Ministers habe sich die Anzahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge in der Region Attika in der jüngeren Vergangenheit verdreifacht. Diese rasante Entwicklung führt insbesondere im dicht besiedelten Zentrum Athens und auf den großen Hauptverkehrsachsen zu täglichen Überlastungen und weitreichenden Staus. Das neu aufgelegte Programm sei primär darauf ausgerichtet, den Alltag der Bürger durch einen fließenderen Verkehr zu erleichtern und die Fahrzeiten spürbar zu verkürzen.
Digitale Vernetzung und Ausbau der Überwachung
Neben der physischen Präsenz der Beamten auf den Straßen bildet die technologische Aufrüstung die zweite tragende Säule des Programms. Bis Ende April sollen die Daten aus etwa 25 unterschiedlichen Informationsquellen in einer zentralen, einheitlichen Datenbank zusammengeführt werden. Diese systematische Bündelung werde es der Einsatzzentrale der Verkehrspolizei ermöglichen, ein präziseres Echtzeitbild der gesamten Verkehrslage zu erhalten und bei auftretenden Problemen unmittelbar zu intervenieren. Für die Zeit nach dem orthodoxen Osterfest kündigte das Ministerium eine noch stärkere technologische Durchdringung und Organisation des gesamten Systems an.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser technologischen Strategie ist die sukzessive Inbetriebnahme von sogenannten intelligenten Verkehrskameras im gesamten Ballungsraum von Attika. Derzeit befinden sich bereits sechs dieser Kamerasensoren in einem aktiven Pilotbetrieb. Die technische und rechtliche Möglichkeit, Verkehrsverstöße direkt über dieses Kamerasystem digital zu ahnden, werde in den kommenden Tagen offiziell freigeschaltet. Zur Sicherung der Busspuren für den öffentlichen Nahverkehr sollen zudem mehr als 20 Kameras direkt in den städtischen Linienbussen installiert werden, um Falschparker aufzuzeichnen. Der ministerielle Masterplan sieht vor, dass die Gesamtzahl der Verkehrsüberwachungskameras in Attika bis zum Monat Juni auf insgesamt 300 ansteigen wird.
Zivile Einbindung und Fokus auf Verkehrssicherheit
Ein besonders innovativer Ansatz des “Komvos”-Projekts ist die aktive Beteiligung der Bevölkerung an der Verkehrsüberwachung und Problemlösung. Bürger erhalten die Möglichkeit, direkt mit den zuständigen Behörden zu kommunizieren und akute Verkehrsprobleme zu melden. Zu diesem Zweck wurden spezielle digitale Kommunikationsgruppen über den Messenger-Dienst Viber eingerichtet, die einen direkten Informationsaustausch mit den lokalen Anwohnern ermöglichen. Parallel dazu pflege das Ministerium einen täglichen Kontakt mit den Bürgermeistern der verschiedenen Gemeinden Attikas, um ein detailliertes und ungefiltertes Bild der Lage in den einzelnen Vierteln des Beckens von Athen zu erhalten.
Über die reine Verkehrssteuerung hinaus intensiviert die Verkehrspolizei ihre Maßnahmen zur allgemeinen Unfallprävention. In den vergangenen zwei Jahren lag der Fokus der Einsatzkräfte verstärkt auf der Kontrolle der gesetzlichen Helmpflicht für Zweiradfahrer sowie auf der konsequenten Durchführung von Alkoholtests. Laut dem Ministerium zeigen diese verschärften Straßenkontrollen bereits deutliche Erfolge, da motorisierte Zweiradfahrer ohne Schutzhelm im Straßenbild inzwischen eine absolute Seltenheit darstellten. Bei ermittelten Wiederholungstätern werden laut den Behörden besonders strikte Sanktionen angewandt, die sowohl hohe Geldstrafen als auch den sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis umfassen können.
Zur effektiven Bekämpfung von Trunkenheitsfahrten führe die Verkehrspolizei an jedem Wochenende von Freitag bis Sonntag landesweit rund 20.000 Atemalkoholkontrollen durch, eine Praxis, die kontinuierlich fortgesetzt werde. Trotz all dieser umfassenden polizeilichen und technologischen Maßnahmen stellte der Minister abschließend klar, dass das Programm “Komvos” nicht den Anspruch erhebe, das strukturelle Verkehrsproblem Attikas endgültig und vollständig zu lösen. Vielmehr gehe es darum, wesentliche und spürbare Erleichterungen für den massiven täglichen Druck auf die Autofahrer zu schaffen.