Athen – Das Fünf-Richter-Berufungsgericht in der griechischen Hauptstadt hat in einem historischen Verfahren das erstinstanzliche Urteil gegen die rechtsextreme Gruppierung Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) endgültig bestätigt. Die Richter entschieden nach einem mehrjährigen juristischen Prozess, dass es sich bei der Partei offiziell um eine kriminelle Organisation handelt. Damit schließt sich das Athener Gericht vollumfänglich der formellen Empfehlung der zuständigen Staatsanwältin Kyriaki Stefanatou an.
Das Urteil betrifft alle 42 Angeklagten, die bereits in der ersten Instanz durch das Drei-Richter-Berufungsgericht für schwere Verbrechen verurteilt worden waren. Zu den Verurteilten zählen ehemalige Parlamentsabgeordnete der Partei, die je nach individueller Beteiligung wegen Mitgliedschaft, Teilnahme und Leitung einer kriminellen Organisation schuldig gesprochen wurden. Darüber hinaus bestätigte die Justiz die Schuld der Angeklagten in spezifischen, stark beachteten Gewaltverbrechen, darunter der Mord an dem Musiker Pavlos Fyssas sowie die brutalen Angriffe auf ägyptische Fischer in Perama.
Strenge Sicherheitsvorkehrungen und Anwesenheit der Angehörigen
Vor und im Gebäude des Athener Berufungsgerichts herrschten am Tag der Urteilsverkündung massive Sicherheitsmaßnahmen. Entlang der Alexandras-Allee positionierte die griechische Polizei (ELAS) mindestens zehn Einsatzfahrzeuge, während sich bereits in den frühen Morgenstunden zahlreiche Beobachter vor dem Justizgebäude versammelten. In dem dicht gedrängten Gerichtssaal verfolgten Angehörige und Sympathisanten den Ausgang des entscheidenden Verfahrens.
Magda Fyssa, die Mutter des ermordeten Musikers, betrat das Gerichtsgebäude mit einer roten Rose in der Hand, symbolisch begleitet von den Liedern ihres Sohnes. Neben ihr befanden sich auch weitere Familienangehörige von Opfern aufsehenerregender Kriminalfälle im Saal, darunter der Vater von Vasilis Maggos sowie der Bruder von Zak Kostopoulos. Auch der Anwalt der angegriffenen ägyptischen Fischer, Kostas Papadakis, war während der Bestätigung der Urteile durch das Berufungsgericht anwesend.
Fortsetzung des Verfahrens und Plädoyers zum Strafmaß
Im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Abgeordneten der Goldenen Morgenröte nahmen zwei hochrangige Figuren der verurteilten Organisation persönlich an der Gerichtssitzung teil. Ioannis Lagos, der sich aktuell in Haft befindet, sowie der wegen Leitung der kriminellen Organisation verurteilte Ilias Kasidiaris, der gegenwärtig Hafturlaub genießt, erschienen vor den Richtern in Athen.
Nach dem formellen Schuldspruch geht das Gerichtsverfahren in die nächste prozessuale Phase über. Die Verteidiger der 42 Verurteilten präsentieren im Anschluss ihre rechtlichen Plädoyers zur Anerkennung mildernder Umstände für ihre Mandanten. Dieser juristische Schritt ist direkt mit der endgültigen Strafzumessung verbunden, da die offizielle Gewährung solcher Umstände durch das Gericht eine erhebliche Reduzierung der jeweiligen Haftstrafen für die Verurteilten nach sich ziehen würde.